Wettbewerb Dorotheenstraße / Obere Leipziger Straße in Halle (Saale), 2. Preis

Wohngebäude und Kaufhalle waren als Bestandteil der Platzgestaltung der 1960er Jahre errichtet worden. Mit Neugestaltung des Platzes und Wegfall der Dominanten verloren die ursprünglich als Staffage angelegten rückwärtigen Bauten ihre städtebauliche Daseinsberechtigung. Die damaligen Planungen nahmen keine Rücksicht auf die angrenzende Martin- und Dorotheenstraße, die durch die neu errichteten Baukörper verstellt wurden und städtebaulich ins Leere liefen. Die Neuplanung respektiert die anliegenden Straßen und Gebäudefluchten und schreibt diese fort. Die Dorotheenstraße wird bis zur Leipziger Straße geführt und bindet das Charlottenviertel erlebbar an die obere Leipziger Straße und den Riebeckplatz an. Die ehemals bis zur Leipziger Straße führende und derzeit in einem Hinterhof endende Martinstraße wird über einen großzügigen Fußgängerdurchgang geradlinig bis zur Dorotheenstraße fortgesetzt. Der vorgesehene Neubau schließt das Quartier nach Südosten ab und schafft die Möglichkeit einer Fortführung der Bebauung nach Osten sowohl als Blockrandbebauung als auch als Einzelbaukörper. Mit dem erhöhten Eckteil entsteht eine Dominante, die sowohl den Höhenunterschied zwischen Leipziger und Dorotheenstraße vermittelt als auch mit dem gegenüberliegenden Gebäude eine Torsituation am Beginn der Leipziger Straße schafft. Im Sockelgeschoss, zur Leipziger Straße geöffnet, befindet sich der Markt mit Bäckerfiliale, die Nebenräume sind im hinteren Bereich angeordnet. Die Anlieferung mit zugehörigen Funktionen befindet sich an der Dorotheenstraße im Erdgeschoss. Hier sind auch die Zufahrten für die Stellplätze in EG und SG gelegen. Geplant sind 97 Wohnungen, die sämtlich auf einem Wohnungstyp basieren, der in Anpassung an die Gebäudeform und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Anforderungen (barrierefrei, rollstuhlgerecht etc.) variiert wird. Die Wohnungen im 1. bis 6. Obergeschoss sind jeweils um zwei Treppenhäuser an Leipziger und Dorotheenstraße mit Aufzug und eigenem Zugang sowie Zugang zu den Stellplätzen angeordnet. Außerdem ist ein zentraler Eingang an der Martinstraße mit Empfang (Concierge) und Zugang zum „Balkon von Halle“ im Zentrum des Gebäudes vorhanden. An den zentralen Eingang sind weitere Nutzungseinheiten mit zugeordneten Funktionen (Arztpraxis, Friseur, Physiotherapie etc.) sowie die Zugänge zu Müll- und Fahrradraum angebunden. Das energetische Konzept für den Neubau besteht aus drei Bausteinen: Gebäudeform: Kompakter Baukörper mit günstigem Außenwandfläche-Volumen- Verhältnis. Gebäudehülle: Schwere Bauweise mit hochleistungsfähiger Wärmedämmung. Gebäudetechnik: Hochwirksame Haustechnik auf Basis Fernwärmeversorgung mit thermischer Solaranlage und Photovoltaikelementen. Durch die Kombination der Bausteine können geringe Energieverbräuche sichergestellt werden, insbesondere im Hinblick auf die Einhaltung der derzeitig gültigen ENEV und des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes EEWärmeG. Auf dem Grundstück werden 42 überdachte Stellplätze im Erd- und Sockelgeschoss hergestellt. Die Innenhöfe auf Niveau 1.OG sind als Gärten mit Pflanzen und Bänken angelegt und können durch die Bewohner als geschützter, wohnungsnaher Freiraum genutzt werden. Auf dem Dach des Eckgebäudes befindet sich der großzügige „Balkon von Halle“, der den Bewohnern ebenfalls als Aufenthaltsbereich dient.

Auslober:Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH
Wettbewerb, 2. Preis: 2013